
registrierte Ergotherapeutin (Occupational Therapist), Doktorat in pädagogischer Psychologie
Dr. Ayres forschte an der UCLA und der Ayres´ Clinic und lehrte an der University of Southern California (USC)
Sie arbeitete als erste die fundamentale Bedeutung der Nahsinne für Entwicklung und Alltagsbewältigung heraus und
stellte Zusammenhang her zwischen neurologischen Funktionen und Verhalten, Lernen und Emotionen
Sie entwickelte mit der SI eine weltweit bekannte ergotherapeutische Diagnostik- und Therapiemethode, deren Prinzipien auch von anderen Disziplinen und Fachbereichen angewendet werden.
"Aufgrund ihres brillanten Verstandes war Dr. Ayres mit ihrer Sichtweise der kindlichen Entwicklung ihrer Zeit weit voraus. Sie war die Erste, die die versteckten Störungen beschrieb, die wir als sensorisch-integrative Dysfunktionen bezeichnen. Grundlagen für ihre Erkenntnisse waren
- ihre eingehenden Verhaltensbeobachtungen,
- ihre Auseinandersetzung mit den neurophysiologischen Hintergründen des Verhaltens,
- ihre Synthese von neurologischen, psychologischen, neurophysiologischen und pädagogischen Kenntnissen und
- ihre eigenen Studien zur Befundung und Analyse der Beziehungen zwischen defizitären Bereichen."*
Dr. Ayres' ursprüngliche Theorien und ihr Verständnis von Verhalten sind bis heute im Wesentlichen unverändert geblieben. "Ihre ursprünglichen Annahmen waren so solide und ernsthaft, dass sich unsere heutige Sichtweise nicht weit davon entfernt hat. Die Forschungsarbeiten, mit denen sie ihre Theorie belegte, bilden auch heute noch die befruchtende und innovative Basis des Konzeptes der Sensorischen Integration.
Ayres´ Forschung und ihre Theorien haben zu einer dauerhaften Veränderung der pädiatrischen Ergotherapie geführt. Unabhängig vom theoretischen Bezugsrahmen bezieht sich fast jedes Kapitel in aktuellen pädiatrischen Fachpublikationen auf die Sensorische Integration. In den USA ist das Schulsystem heute der größte Arbeitgeber für ErgotherapeutInnen. Dies war nicht immer so: als Dr. Ayres zu arbeiten begann, waren ErgotherapeutInnen lediglich in Sonderschulen für schwer Körperbehinderte beschäftigt. Es war die Theorie der Sensorischen Integration, die der Ergotherapie die Türen für ein viel breiteres Einsatzgebiet in den Schulen eröffnete!"*
* Zitate aus: Smith Roley S. (2006): Ayres´ Sensorische Integration. Das Original aus heutiger Sicht. In: Söchting E. (Hrsg.): Sensorische Integration Original - Heute. Schulz Kirchner Verlag
Dr. Ayres definierte sensorische Integration als
"den neurologischen Prozess, bei dem Empfindungen aus dem eigenen Körper und aus der Umwelt geordnet und verarbeitet werden, und der es uns ermöglicht, unseren Körper effektiv in der Umwelt einzusetzen."
Der Prozess der Integration von Sinnesinformationen unterschiedlicher Modalitäten hat fundamentale Bedeutung für die Interpretation von Informationen aus der Umwelt und damit für jede Form von Lernen. (Smith Roley 2006)
Die Theorie der Sensorischen Integration umfasst 3 Bestandteile:
- normale sensorisch-integrative Funktion und ihre Rolle für die kindliche Entwicklung und die Beschäftigung im täglichen Leben - zusammengefasst in der klassischen Flowchart in Ayres´ an Eltern gerichtetes Buch "Sensory Integration and the Child" (wps 1979; auf Deutsch "Bausteine der kindlichen Entwicklung")
- Störungen der sensorischen Integration - Identifikation von Typologien anhand von Faktoren- und Clusteranalysen der Daten von über 2.000 Kindern mit dem SCSIT (1972) und dem SIPT (1989)
- Beschreibung eines Therapieansatzes und spezifischer therapeutischer Maßnahmen für unterschiedliche Arten der Dysfunktion
In ihrem Buch "Bausteine deer kindlichen Entwicklung" beschreibt Ayres, wie die Verarbeitung, Verknüpfung und Speicherung von Informationen aus den Nahsinnen durch verschiedene Entwicklungsstadien hindurch die Grundlagen für Leistungen legen, die wir bei etwa 7-jährigen Kindern als Schulreife bezeichnen.
Ayres betont dabei zweierlei:
- Dem Kind mit guter Hirnfunktion braucht man keine dieser Leistungen beibringen. Durch sensomotorische Erfahrungen und effiziente Auseinandersetzung mit der Umwelt entwickelt es Schritt für Schritt die nötigen Voraussetzungen wie Haltungskontrolle, Selbstvertrauen, Körperschema, Auge-Hand-Koordination, Aufmerksamkeit, Verhaltensorganisation u.a.
- Die Leistungen kommen zwar automatisch, erfordern aber einige Jahre sensomotorischer Erfahrungen und effizienter Auseinandersetzung mit der Umwelt, damit die sensorischen Informationen ausreichend integriert und gespeichert werden können.
Im aktuellen Verständnis der Sensorischen Integrationstheorie werden zwei Arten von Funktionsstörungen unterschieden:
- sensorische Modulationsstörungen --> führen zu Verhaltensstörungen (AD/HS), emotionalen und sozialen Problemen
- sensorische Diskriminationsstörungen --> führen zu Dyspraxien (Störungen der Bewegungsplanung)
Anhand der faktorenanalytischen Studien zum SIPT identifizierte Ayres 6 sensorisch-integrative Typologien, unter ihnen folgende sensorisch-integrative Störungsbilder:
- Störung der bilateralen Integration und des Sequenzierens (BIS)
Visuo- und Somatodyspraxie
- unterdurchschnittliche sensorisch-integrative Leistungen und Praxie
- generalisierte sensorische Integrationsstörung
- Dyspraxie auf verbale Anweisung (keine SI-Störung, sondern kortikal)
Generell kann von einer sensorischen Integrationsstörung nur dann gesprochen werden, wenn Belege dafür vorliegen, dass die zentrale Verarbeitung von Informationen aus dem vestibulären, taktilen oder propriozeptiven Sinnessystem gestört ist.
In der Praxis bedeutet dies: wird ein Kind vom Arzt mit der Diagnose "entwicklungsbedingte Koordinationsstörung, Dyspraxie" zur ergotherapeutischen Befunderhebung zugewiesen, so wird die Therapeutin, die einem SI-Ansatz folgt, die Funktion und Leistungen des vestibulären, taktilen und propriozeptiven Systems, die Interaktion der Systeme untereinander und mit dem auditiven und visuellen System beurteilen. Je nach dem Ergebnis dieser Beurteilung wird sie den Schluss ziehen, dass es sich um eine Dyspraxie mit sensorischer Basis handelt (entweder BIS-Defizit oder Somatodyspraxie) oder dass die Koordinationsschwächen des Kindes offenbar andere Ursachen als sensorische haben.
Der Umkehrschluss, dass eine SI-Störung vorliegt, wenn ein Kind eine Dyspraxie hat, ist unzulässig.
Ayres leitete aus den theoretischen Annahmen ihrer Theorie Maßnahmen ab, mit denen die von ihr identifizierten Funktionsstörungen spezifisch behandelt werden können.
Da als Ausgangspunkt der Störungen Defizite in der zentralen Verarbeitung sensorischer Informationen aus einem oder mehreren Sinnessystemen angenommen werden, setzt die Behandlung an der sensorischen Verarbeitung an.
Ein zentrales Konzept in Ayres´ therapeutischem Ansatz ist die "anpassende Reaktion" oder das "anpassende Verhalten": erst durch die Nutzung des Sinnesreizes für eine sinnvolle, zweckmäßige Auseinandersetzung mit der Umwelt kann die sensorische Information so verarbeitet und gespeichert werden, dass sie für zukünftige Aktionen zur Verfügung steht. Das Kind hat gelernt, ein Stück Ordnung in seine Welt gebracht und sein Handlungsrepertoire erweitert.
Wie die SI-Therapie aussieht und wodurch sie sich auszeichnet finden Sie unter "SI-Therapie"!
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