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KURSE

KURSE

Manche Kinder sind irgendwie anders...

Sie sind tollpatschig und ungeschickt, stolpern häufig und machen ihr Spielzeug kaputt. Sie können sich alleine nicht sinnvoll beschäftigen. Sie sprechen später und undeutlicher oder verdrehen die Sätze. Sie sind lauter und wilder und unbeherrschter und richtige Draufgänger. Oder sie sind ruhiger und schüchterner und unsicherer und beobachten lieber, was andere tun. Sie reden lieber als zu handeln, oder aber sie handeln so unüberlegt und impulsiv, dass es immer wieder gefährlich ist. Im Kindergarten wollen sie nicht zeichnen und basteln und können nicht essen ohne zu patzen. Oder sie können einfach nicht still sitzen und sich auf eine Sache konzentrieren. In der Schule haben sie Schwierigkeiten mit dem Schreiben, dem Lesen oder dem Rechnen, obwohl es nicht an der Intelligenz liegt. Sie tun sich schwer mit Gleichaltrigen, sind Außenseiter oder Gruppenkasperl. Für diese Auffälligkeiten kann eine Störung der zentralen Verarbeitung von Sinnesinformationen verantwortlich sein.


Bewegungen kontrollieren ohne hinzusehen

Voll dabei!

Zielgerichtet handeln
Wir haben mehr als 5 Sinne

Nahsinne

Die Nahsinne liefern unserem Gehirn Informationen über den eigenene Körper und seine Position in der Umwelt:

  • Tast- oder Berührungssinn (in der Fachsprache: taktiler Sinn): Wo werde ich berührt? Welche Qualität hat dieser Reiz (rau, glatt, pelzig, feucht,...)?

  • Gleichgewichtssinn (in der Fachsprache: vestibulärer Sinn): In welcher Position befinde ich mich (aufrecht, kopfüber,...)? Bin ich in Bewegung oder in Ruhe? Verliere ich die Balance?

  • Kraft- und Bewegungssinn (in der Fachsprache: propriozeptiver Sinn): In welcher Stellung befindet sich mein Körper/meine Gliedmaßen? Wieviel Kraft setze ich ein?

Diese Sinnesinformationen sind besonders im Kindesalter wichtig, damit das Kind ein differenziertes Bild von den Möglichkeiten und Grenzen seines Körpers entwickelt und das Gefühl bekommt: "Ich kann etwas in dieser Welt bewirken."

Fernsinne

Über die Fernsinne (Sehen, Hören, Geruchssinn) verschafft es sich ein differenziertes Bild von der Umwelt.

sensorische Integration

Den Prozess des Ordnens und Zusammenfügens all dieser Sinnesinformationen im Gehirn nennen Fachleute "sensorische Integration" (oder zentrale Verarbeitung oder Wahrnehmung).

Wenn das Kind die Sinnesinformationen gut verarbeiten und verknüpfen kann und sie für sinnvolles, zweckmäßiges, zielgerichtetes Handeln nützt, ist dies ein Zeichen für eine gute sensorische Integration.

brain
Sensorische Integration ist eine Leistung unseres Gehirns

Damit wir uns in unserer Umwelt orientieren und sinnvoll handeln können, muss unser Gehirn alle Informationen aus unserem Körper und aus der Umwelt verarbeiten.

Die Informationen werden von Rezeptoren in den Sinnesorganen aufgenommen:

  • Tastkörperchen in der Haut für Berührungen
  • den Bogengängen und dem Otolithenoprgan im Innenohr für Schwerkraft- und Gleichgewichtsreize
  • Rezeptoren in Muskelspinden und Gelenken für propriozeptive Informationen

Dann werden sie über Nervenbahnen in verschiedenen Zentren des Gehirns geleitet.

Bereits im untersten Hirnabschnitt, dem sogenannten Hirnstamm, finden wichtige Verarbeitungsprozesse statt. Zum Beispiel werden Gleichgewichtsreize fast vollständig auf diesem Niveau verarbeitet, damit unser Wachheitzustand reguliert wird und wir automatisch und unbewusst unsere Haltung an Lageveränderungen anpassen können.

99% der Sinnesinformationen werden subkortikal (d.h. auf niedrigeren Ebenen als der Hirnrinde) automatisch und unbewusst verarbeitet.

Die unbewusste Verarbeitung so großer Informationsmengen ist notwendig, damit wir unsere bewusste Anstrengung und Aufmerksamkeit höheren Leistungen widmen können.

Ein Kind mit Störungen der sensorischen Verarbeitung muss sich zum Beispiel darauf konzentrieren, nicht vom Sessel zu fallen und kann daher den Buchstaben, die es schreiben soll, weniger Aufmerksamkeit widmen.





"Unser Kind hat eine sensorische Integrationsstörung"

Das ist eine leichte neurologische Funktionsstörung, durch die das Kind die Informationen von seinen Sinnen nicht gut verarbeiten kann.

Das Gehirn des betroffenen Kindes ist nicht in der Lage, Sinnesinformationen so zu verarbeiten, dass das Kind gute und exakte Informationen über seinen eigenen Körper und seine Umwelt erhält.

--> Das Kind hat Schwierigkeiten, sein Verhalten an die Erfordernisse anzupassen.

--> Das Verhalten des Kindes ist weniger zweckmäßig, sinnvoll und zielgerichtet als wir es für sein Alter erwarten würden.

Eine sensorische Integrationsstörung (auch Wahrnehmungsstörung, zentrale Verarbeitungsstörung oder sensorisch-integrative Dysfunktion) ist aber nicht ein einheitliches Krankheitsbild wie eine Grippe! Die Ausprägungen können sehr veschieden sein.

Die Diagnosestellung durch eine speziell ausgebildete Ergotherapeutin ist für die meisten Eltern eine Entlastung, weil sie endlich bestätigt bekommen, was sie jahrelang erlebt haben: dass ihr Kind "anders" ist und dass es dafür eine Erklärung gibt, die ihre eigenen Fähigkeiten als Eltern nicht in Frage stellt.

Mit der Feststellung der Störung können endlich auch gezielte Maßnahmen gesetzt werden!

Diese liegen einerseits in der Aufklärung der Umwelt (Eltern, Oma und Opa, Kindergärtnerin bzw. Lehrerin und alle Personen, mit denen das Kind viel zu tun hat), damit ihm ab nun verständnisvoller begegnet werden kann.
Nicht bei allen Kindern ist sofort eine Therapie nötig. Können die Anregungen der Therapeutin zu Hause und im Kindergarten/Schule konsequent umgesetzt werden, so kann diese Art der Förderung ausreichend sein.
Oft wird aber eine ergotherapeutische Behandlung auf der Grundlage der Sensorischen Integrationstherapie erforderlich sein, um die Gehirnfunktion des Kindes zu verbessern.

Eine "Verdauungsstörung" im Gehirn

Ayres vergleicht die sensorische Integrationsstörung mit einer Verdauungsstörung, bei der der Magen zwar nicht organisch geschädigt ist, aber die Verdauungsfunktion vorübergehend gestört ist. Ebenso beruht eine sensorische Integrationsstörung nicht auf einer Schädigung des Gehirns, sondern auf einer reversiblen Störung der fein abgestimmten Funktionen bestimmter Hirnstrukturen.

Dies bedeutet auch, dass bei Untersuchungen des Gehirns mit Verfahren wie EEG oder Computertomographie (CT) keine Schädigungen zu sehen sind.

Ursachen

  • schädliche Einflüsse auf das unreife Gehirn wie Infektionen in der Schwangerschaft,
  • Sauerstoffmangel bei der Geburt oder
  • extreme Reizarmut in der frühen Kindheit sein.

    Manchmal finden sich in der Vorgeschichte eines Kindes gar keine Auslöser, und das Kind hat dennoch eindeutig Zeichen einer sensorischen Integrationsstörung.

Der Weg zur richtigen Stelle: in die Ergotherapie

Die Ergotherapeutin sieht das Kind unter dem Aspekt seiner Alltagsbewältigung.

Befunderhebung

In einer exakten Befunderhebung identifiziert die Therapeutin mittels Anamneseerhebung, strukturierten und unstrukturierten klinischen Beobachtungen und standardisierten Tests (wie dem SIPT, der von Ayres entwickelten Testbatterie zur detaillierten Beurteilung der sensorischen Leistungen und verschiedener Aspekte der Bewegungsplanung) sensorische Defizite, die das Kind in der Selbständigkeit, beim Spielen, im Umgang mit Gleichaltrigen, bei Anforderungen im Kindergarten oder in der Schule beeinträchtigen.

Nach der 2-3-stündigen Befunderhebung führt die Therapeutin üblicher Weise ein Elterngespräch durch, in dem sie die Probleme des Kindes aus sensorisch-integrativer Perspektive erklärt, Anregungen für den Umgang mit dem Kind im Alltag und eine Empfehlung zur Therapiebedürftigkeit der Störung gibt.

Ergotherapie auf der Grundlage der Sensorischen Integrationstherapie

Die sensorisch-integrative Ergotherapie setzt an der gemeinsamen Wurzel vieler Probleme an. Statt einzelne Fertigkeiten zu trainieren, wird die Grundlage der Entwicklung verbessert, damit andere Fähigkeiten von selbst darauf aufbauen können.

Die Sensorische Integrationstherapie ist eine neurophysiologische Behandlung, für deren fachgerechte Durchführung medizinisches und ergotherapeutisches Grundwissen eine Voraussetzung darstellt. ErgotherapeutInnen bringen von ihrer Grundausbildung ein umfangreiches neurologisches Wissen, Kenntnisse von normaler und pathologischer Entwicklung, Aktivitätsanalysen, und eine Sichtweise des ganzen Menschen unter dem Aspekt der Handlungskompetenz in der Alltagsbewältigung mit.

Qualifikation der TherapeutIn

Da Ergotherapie ein weites Feld ist, kann Sensorische Integration in der Grundausbildung nur ansatzweise unterrichtet werden. Für Sensorische Integrationstherapie kann sich die Therapeutin erst durch eine postgraduale Ausbildung qualifizieren. Danach liegt es in der Verantwortung der einzelnen Therapeutin, sich durch kontinuierliche Weiterbildung auf dem Laufenden zu halten.

Als nationale SI-Vertretung setzt die GSIÖ e.V. in Anlehnung an Ayres´ Vorgaben in Kalifornien (University of Southern California in Los Angeles) die Ausbildungsstandards in Sensorischer Integrationstherapie für Österreich fest. Näheres zur SI-Ausbildung finden Sie auf den betreffenden Seiten unserer Homepage!

SI-Ausbildungen, die von der GSIÖ und vom Ergotherapie-Berufsverband ergoAustria anerkannt sind, garantieren für eine gute Qualifikation der Therapeutin!

Bevor Sie sich für eine Therapeutin entscheiden, fragen Sie ruhig nach den Zertifikaten!

HINWEIS: Nur bei anerkannten ErgotherapeutInnen wird ein Teil der Behandlungskosten von der Krankenkasse refundiert!

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